Reisetagebuch - Amsterdam

Selbst der Dalai Lama sagte einmal: "Gehe einmal im Jahr irgendwohin, wo du noch nie warst." Mit diesen Worten im Hinterkopf, begebe ich mich mit Max, meiner anderen Hälfte, auf eine kleine Abenteuerreise...


Tag 1.

Wie ich meinen Kopf auch drehe - links und rechts überwiegend Bäume im Wechsel mit Anzeigetafeln, Verkehrsschildern, oder mal eine Tankstelle. Ein Hörbuch im Ohr gepaart mit dem ständigen Rauschen des Fahrtwindes. Aber wollen wir noch einmal kurz zurück spulen...


Wir befinden uns auf dem Weg von Regensburg nach Amsterdam. Knapp 7 Stunden zeigt uns Google Maps an. Regensburg? - Ja, richtig gelesen. Gestern Abend starteten wir unser Abendteuer mit dieser kleineren Etappe von knapp 3,5 Stunden. Unser Nachtlager - eine verlassene Wohnung einer Freundin, die gerade nach München umzieht. So verbrachten wir die Nacht, nach einer Folge "Sherlock Holmes", auf meiner geliebten Yogamatte, mit Kissen und Decke.

Doch heute Abend - Amsterdam.



Nachhaltigkeit und Reisen?

Ein Thema, welches mich persönlich sehr beschäftigt. Nein, wir fliegen nicht, aber mit dem Zug fahren wir auch nicht. Wir haben uns bewusst für eine Reise mit dem Auto entschieden, da dieses Transportmittel für unsere Reiseplanung am lukrativsten ist. Wir haben mehrere Ziele und nur knapp 1 Woche Zeit.


Auch was die Reiseverpflegung betrifft: Wir verzichten bewusst auf irgendwelche CoffeeToGo- Becher, und haben alle Lebensmittel mitgenommen, die innerhalb der nächsten Woche schlecht werden könnten. Über irgendwelche Duschgels, Zahnpasten und andere Dinge in "Reisegröße" brauchen wir gar nicht reden.



Tag 2.

Yoga am Morgen, ein ausgedehntes Frühstück - was will man mehr? Auch die Sonne zeigt sich an diesem Sonntag. Der Plan für heute - das zweite Vortbewegungs- Utensil organisieren. Also auf ins Gefecht!

Auf dem Weg in die Stadt, hielten wir in einer süßen Kaffeerösterei. Es war bezaubernd. Sonne. Direkt an einer Brücke. Leere Straßen - und wahnsinnig guter Kaffee!


Sobald wir das Equipment zusammen haben, geht es auf die kostenfreie Fähre, hinüber auf die andere Seite Amsterdams. Eine recht ruhige Gegend. Ganz viel grün, tolle Häuser, nette Menschen.

wir fahren einfach mal drauf los und schauen, wohin es uns treibt.

Wieder zurück auf unserer Seite der Stadt entscheiden wir uns für einen Besuch im Museum von de Wallen - dem Rotlichtviertel.

Ich bin ehrlich - es hat mich schon ein bisschen geschockt, das alles zu sehen. Am helllichten Tag, Kinder, Familien und hier und da mal ein kleines Fenster, wo viel nackte Haut zu sehen ist. Wahnsinnig interessant, aber irgendwie gemischte Gefühle. Die Tatsache, das Menschen ihren Körper verkaufen, Intimität zeigen und dann wirklich teilweise respektlos behandelt werden, macht mich traurig. Ich habe größten Respekt vor jedem, der diesen Job macht! Das Selbstbewusstsein, so mit seinem Körper zu "handwerken" - das hat und kann nicht jeder! Eine faszinierende Welt...

Eine Tasse frischer Minztee, ein Snack, und ein wenig umherschlendern, bis wir dann den Weg nach Hause antreten. Ein toller erster Tag in Amsterdam.


Tag 3.

Es ist Montag und laut Wetterbericht der letzte sonnige und warme Tag während unserem Aufenthalt hier. Fast schon eine Tradition für Maxi - denn jedes Mal wenn er in Amsterdam ist, fährt er mit dem Rad zum Meer. OK - los geht's!

Mit Sonne im Gesicht und ein klein wenig Gegenwind, treten wir in die Pedale. Unterwegs ein paar Rinder, Schafe, Pferde, andere FahrradfahrerInnen,... Es ist wirklich schön. Die Stadt Haarlem hat mein Herz erobert und auch Zandvoort - unser Ziel rückt immer näher! Wunderschöne kleine Häuser & Gärten (ich wurde teilweise von Omis und Opis überholt, weil ich so langsam gefahren bin, um wirklich nichts von der Aussicht zu verpassen).

Dann, das Meer. Völlig erschöpft, lassen wir uns - nach dem ersten gemeinsamen Step - in den Sand fallen. Die Augen geschlossen. Das Meer rauscht. Die Möven kreischen. Maxi, der durch seinen Pullover spricht, da er ihn über den Kopf gezogen hat.

Sand.

Einfach überall Sand.

Mit Sonnenbrand, müden Beinen treten wir den Heimweg an. Diesmal mit dem Zug. Dann bekomme ich die ehrenvolle Aufgabe, uns nach hause zu lotsen. Natürlich hab ich diese erfolgreich bestanden!

Ein Tee, etwas leckeres zum Essen, und das Bett.


Tag 4.

Wir spüren sie - Die Radtour von gestern. Ich (als eigentlicher Profisportler) muss selbst feststellen, das mein längerer Verzicht auf das 2radige Fortbewegungsmittel, einige Spuren in meinen Muskeln hinterlässt. Auch die gestrige Sonne entpuppt sich als Täter. Spuren eines Sonnenbrands sind sowohl bei mir (war ja klar), als auch bei Maxi zu sehen. Aber alles Halb so wild!

Wir machen uns heute einen gemütlichen Tag. Nach einem Start in "unserer" Kaffeerösterei, setzen wir uns auf unsere Sättel und fahren los.

Amsterdam.

Ohne Ziel.

Einfach so.

Doch trotzdem möchte ich mehr! Eines meiner wenigen Ziele, ist ein Besuch eines Flohmarktes. Stattdessen finden wir zunächst ein klitzekleines Restaurant - SLÅ. Dort angekommen trinke ich den allerersten grünen Saft in meinem Leben. Green cleanse - ja, genauso schmeckt er und ich spüre schon die innere Reinigung! (Die Mischung bestand aus Sellerie& Ingwer) Sehr intensiv! Genial!!!


Nach dieser Stärkung geht es weiter. Nächstes Ziel: der Blumenmarkt. Auf dem Weg dorthin halten wir jedoch spontan am Grachtenmuseum an, wo wir einiges über die Entstehung dieser wundervollen Stadt erfahren. Wusstet ihr, dass die Menschen damals dazu verpflichtet waren, einen Teil ihres Grundstücks als Garten anzulegen? Auch die vielen Bäume wurden in die Stadtplanung bewusst integriert (und das vor ungefähr 300 Jahren!!!)

Der Blumenmarkt ist einfach nur schön. Eine Pilea als Andenken (eine Zimmerpflanze) und ein paar Knollen für meine Mama, landen hier in meiner Einkaufsbeutel. Zu guter Letzt - mein gewünschter Flohmarktbesuch. Vorbei am Staatsballett (was Erinnerungen und irgendwie auch Trauer an meine Tänzerzeit erweckt) geht es dann wieder nach Hause, wo wir nach kurzer Zeit und einem langen Tag einschlafen.


Tag 5.

Es is Mittwoch - der letzte volle Tag hier in Amsterdam. Es stehen ein Museumsbesuch der BodyWorlds und das AmsterdamDungeon auf dem Tagesplan. Mega interessant, mega lustig, gruselig und toll. Ein Besuch ist sehr lohnenswert. Zwischendurch mal ein Café zum Entspannen und Stadtluft aufsaugen, bevor es im Regen dann wieder nach Hause geht. Etwas leckeres Kochen und ab in die Heia!

Übrigens - bevor man den Weg ins Dunkeln eintritt, wird man nach seiner größten Angst oder Sünde gefragt. Was nun kommt? Tja, ich wurde (mal wieder) als Verrückte mit übernatürlichen Kräften integriert. Vor Gericht, wurde ich dann als Hexe verurteilt, da ich vergangene Nacht, nackt um ein Feuer tanzte. Ich glaube, ich wäre danach auf dem Scheiterhaufen gelandet, was jedoch aus Corona- Gründen wahrscheinlich weggelassen wurde.



Tag 6.

Den Donnerstag starten wir mit einem ausgedehnten Frühstück, packen, sauber machen und Auto holen.

Anschließend treten wir den Weg in Richtung Groningen an, wo uns eine Freundin erwartet, bei der wir einen Zwischenstop einlegen.

Wer jetzt denkt "oh Gott, ihr kommt aus einer Großstadt in Coronazeiten und macht so eine Stückle- Reise?"

Keine Sorge.

Wir haben uns immer sehr vorbildlich verhalten, immer Nase und Mund bedeckt, Hände desinfiziert und überdimensional großen Abstand gehalten.

Immer!


Der Abend ist etwas spontan. Nach einem kurzen Besuch im dortigen Bioladen, verabschieden wir uns mit einem Picknick auf der Yogamatte mit Kissen & Decke und genießen den Sonnenuntergang. (Der Schlafsack wird dann irgendwann auch noch aus dem Auto geholt, weil es doch recht kühl wurde.)



Tag 7.

Mit einem ausgedehnten Frühstück in Gesellschaft meiner Freundin, starten wir in den Tag, bevor wir wieder in unseren Oldtimer steigen und den Weg nach Hause antreten.

Ja, nach Hause - zu mir nach Hause.

Nach knapp 6 Stunden bei Hitze im Auto, erreichen wir meine Heimat und werden dort herzlich begrüßt. Mit einem netten Grillend und Abstandsregelungen lassen wir die Party steigen! Nein - am Lagerfeuer lassen wir den Abend gemütlich ausklingen. Ich bin so glücklich, wie noch nie! Es war einfach wunderschön. Nach 9 Monaten meine Familie wieder zu sehen - einfach toll!

Ich lieb sie so sehr.


Tag 8.

Den Samstag starte ich mit einer Runde morgendlichem Yoga, was während dieser ganzen Reise zu meiner Routine geworden war. Jedoch diesmal nicht allein! Mein Bruder bat darum, extra für - damit er mit unserem Hund danach spazieren gehen konnte.

5 Minuten nach vereinbarter Zeit ging ich ihn dann wecken...

Das Yoga tat danach aber sehr sehr gut. Anschließend gingen meine Mama, Maxi und ich auf den Blumenmarkt und in den Gartencenter, wo ich mich mit einer Menge Grünpflanzen eindeckte! Wirklich eine gaaaaaanze Menge. (Nachträglich zum Geburtstag bekam ich von der Familie meines Onkels einen Pflanzengutschein. Ich studiere ja jetzt Agrarwissenschaften!)

ein nettes Abendessen und chillen im Garten beenden diesen schönen Tag.




Tag 9.

Heimreise. Davor jedoch: Yoga (sogar mit Hund), packen und ein letztes Frühstück mit der Familie. Los geht's! Mit jeder Menge Grünis (meine neu erworben Pflanzen, die ich gestern noch einmal wässerte), frisch geernteten Birnen, Koffer und Co treten wir die Heimreise von nochmals knapp 6 Stunden fahrt an.

Angekommen in Wien, stellen wir fest, das die Hühner den kompletten restlichen Garten erobert hatten. Das bedeutet - morgen ist Flügel-stutz-tag.

Müde aber oberglücklich, schlafe ich rituell auf der Couch neben dem Maxi ein, der mich wie immer "Sleepy Rese" nennt.


Es war eine wunderschöne Reise, die trotz dieser Zeiten (die für alle Umstellungen und Schwierigkeiten bereiten) eine unvergessliche und tolle Zeit für mich war.

Es war auch die erste gemeinsame Reise mit Maxi und mir. Zusammen.

Mein Fazit: Das kann sich gern so wiederholen!



Eure Rese

  • Facebook
  • Instagram
  • Facebook
  • Instagram