Von Auszeiten, schlechtem Gewissen und Nein - Sagen

Aktualisiert: 20. Sept 2020

Nein zu sagen gelingt mir mittlerweile schon recht gut. Eine gesunde Portion Egoismus, sag ich mir dann immer wieder. Solange es mich nicht wirklich betrifft, ist das auch nicht ganz so schlimm. Ein ungutes Gefühl hinterlässt es trotzdem. Warum, fällt es mir so schwer, mit meiner Entscheidung zu leben? Was geht in mir vor, wenn ich NEIN sage - alles kribbelt und ich könnte weinen. Zur Krönung: ein schlechtes Gewissen.




Es ist Morgen. Nach dem Aufstehen überkommt mich die erste Welle der Kopfschmerzen. Die schon länger anhaltende Migräne hat heute definitiv ihren Höhepunkt (was ich bis dahin noch nicht weiß).

Das Wetter ist so schön, ich muss sogar lächeln, als die Sonnenstrahlen und die kühle Herbstluft mein Gesicht berühren. Gute Laune stellt sich ein. Im Hintergrund - dieses Pochen.


Mehrmals blinzeln, die Brille wurde vom Optiker neu eingestellt, Verspannungen im Nacken und oberen Rücken - alles normal. Ich bin eben eine angespannte Persönlichkeit. Ich möchte doch nur das Beste für alle.



Langsam kommt die Übelkeit. Aus dem Pochen ist mittlerweile ein Stechen geworden. Meine Oma gibt mir Tipps für Augengymnastik, damit das Sehen nicht mehr so anstrengend ist. Die Augen tränen - jeden Morgen. Auf das Telefon und den Computer schaue ich sowieso nur noch mit Brille.


Eines Morgens: Zahnschmerzen. Termin beim Zahnarzt geholt. (War ja erst vor 2 Wochen da, aber vielleicht hat er etwas übersehen. Ist ja auch die andere Seite...)

Da sei nichts. Kein Loch, kein Gar nichts. An was es liegt? - zu viel Stress!

Ok. Ich versuche etwas kürzer zu treten, mich besser auf meine Aufgaben vorzubereiten, mir sämtliche Sorgen anderer vom Leibe zu halten und mich mehr um mich selbst zu kümmern. Leider muss ich feststellen, so viel Mühe ich mir auch gebe, zu 100% gelingt es mir nicht.


Und das ist ja auch Ok! Ich bin ja nicht Perfekt. Darum geht es ja, oder? Dinge auch mal unperfekt und einfach so zu lassen, wie sie sind.



Meditation, Atmen, mal 5 Minuten Nichts - tun. Ja, das tut mir gut. Aus der Meditation erwachen? - Oh Gott, ich glaube, ich muss mich gleich übergeben. Und vielleicht hab ich mich ja auch verkühlt! Die Schmerzen im unteren Rücken werden einfach nicht besser, sondern vor allem Nachts viel schlimmer! Blasenentzündung? - Nein. Gut, in Ordnung. Ich trinke einfach mal etwas mehr. Wird garantiert wieder besser.


Ob mir schwindelig ist? - Klar, jeden Tag! Ein Grund zur Sorge? Nein, das kenne ich. Ich bin einfach nur verspannt. Ein "chronisches Schulter-hochzieh-Ding" eben. All der "Stress" sitzt bei mir eben in den Schultern und Nacken. Das wandert nach oben. Dann beiße ich vielleicht auch noch zu oft die Zähne zusammen. Also kein Ding. Muss mich nur irgendwie Entspannen. Weniger machen, mich mehr um mich selbst kümmern, mehr Yoga, mehr Meditation, Atmen, slow living, weniger Telefon und Computer,... das passt schon.

Aus den Verspannungen sind mittlerweile Krämpfe im Kiefer - und Kaumuskel geworden und der permanente Druck auf die Schläfen und vorderen Kopf wollen einfach nicht weg.



Die Yoga Klassen fühlen sich einfach nur toll an und Ballett zu unterrichten macht auch total viel Spaß! Und dann die dankbaren und strahlenden Gesichter der Teilnehmer!! - Das lohnt sich doch. Das ich gleich nach der Unterrichtsstunde die Brille wieder auf die Nase schiebe, sei mal dahin gestellt.


Meinen Hühnern geht es gut, meinem Freund geht es gut, selbst seiner Schwester geht es gut. Das Haus ist relativ sauber, die Katze vom Nachbarn ist auch gefüttert, die freilaufende Schildkröte im Garten jedoch unauffindbar.

Ich mach mir Sorgen. Ein wenig Angst überkommt mich. Was, wenn irgendetwas passiert ist?

Ich soll weniger machen? Ok. Ich räume nur noch meinen Mist weg, putze nur noch meine benutzte Fläche, mach nur noch meine Dinge, der Rest - mir doch egal.

Das muss mich nicht kümmern.

NEIN.

Danke.


Wie geht es dir? ach,... naja,... ganz Ok.


#reminderanmichselbst

19 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
  • Facebook
  • Instagram